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Kalbotyra ISSN 1392-1517 eISSN 2029-8315

2020 (73) 188–211 DOI: https://doi.org/10.15388/Kalbotyra.2020.10

Phraseologische Strukturen in Hermann Kinders autobiografischer Krankheitserzählung „Der Weg allen Fleisches“ (2014)

Christian Thienel
Former DAAD lecturer at the Department for German Philology of Vilnius University
Rahel-Straus-Weg 14
D-81673 München
E-Mail: kj-praxis.thienel@freenet.de

Phraseological structures in Hermann Kinder’s autobiographical novel „Der Weg allen Fleisches“ (2014)

Abstract. Hermann Kinder’s novel contains a conspicuous number of phraseological elements, which is unusual for the writing style of this author. The article describes the accumulation of phraseological and idiomatic material and its usage as a literary stylistic resource. The analysis focuses on the relation of the linguistic appearance and the aesthetic function of the phraseologisms. Therefore, the article intends to contribute to an interdisciplinary method of interpretation, linking linguistic and literary studies. It also includes psychoanalytic concepts to describe the author’s specific linguistic expression of his autobiographical experience of illness. The aesthetic function of the phraseologisms and idiomatic phrases changes in relation to the novel’s progress. In the beginning, collocations increase the cohesion of the text in order to create an image of health. When the disease becomes more and more evident, the emotional affection of the protagonist is being controlled by formulistic linguistic elements. In addition, the author unmasks the pragmatic automatism of the medical language and the failure of its empathetic function by ironically evoking the ambiguity of idiomatic phrases. As a contrast, the narrator refers back to a comforting symbolic language by using linguistic patterns of fairy tales as an imitation of phraseological components. As a result, the analysis indicates that the inclusion of phraseological material in this literary pathobiography seems to provide a linguistic space of shelter for the suffering protagonist. The context-related, varying usage of phraseologisms in this text also seems to linguistically reflect a collective, culturally overarching psychosomatic experience of illness.
Keywords: phraseology, collocations, ambiguity of idiomatic phrases, stylistics, aesthetic function, literature, illness

Submitted: 23/06/2020. Accepted: 07/11/2020
Copyright © 2020
Christian Thienel. Published by Vilnius University Press
This is an Open Access article distributed under the terms of the
Creative Commons Attribution License, which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited.

1 Phraseologismen und die Beschreibung ihrer ästhetischen Funktion

Ich möchte im folgenden Beitrag unter dem Gesichtspunkt der ästhetischen Bedeutung phraseologischer Textelemente Hermann Kinders autobiografische Erzählung „Der Weg allen Fleisches“ untersuchen, die aus der eigenen Krankheitserfahrung des Autors heraus entstand und 2014 veröffentlicht wurde. Im Zusammenhang mit einer anderen Arbeit zu dem Text (Schwahl, Thienel 2019) war mir aufgefallen, dass Kinder, was für sein Schreiben ungewöhnlich ist, phraseologische bzw. idiomatische Elemente hier bewusst als stilistisches Mittel einsetzt. Auch für Kinders Sprache trifft zu, was Preußer in ihrer Arbeit über die Phraseologismus-Verwendung bei Arno Schmidt anmerkt:

Insbesondere innerhalb einer sprachspielerisch, metaphorisch oder generell an Neologismen ausgerichteten Sprache eines Dichters fällt die Verwendung von Phraseologismen auf, weil sie im Gegensatz zu Neuschöpfungen auf Vorgeformtes zurückgreift. Dieser Rückgriff auf polylexikales, vorgeformtes Sprachmaterial mit festgelegter Bedeutung, eines deren Hauptmerkmale darin besteht, häufig angewendet zu werden, nimmt sich bei wörtlicher Wiedergabe innerhalb einer ansonsten kreativen [im vorliegenden Text teilweise fast klinischen, Anm. d. Verf.] Sprachverwendung als eigentümlicher Bruch aus […]. (Preußer 2007, 42–43)

Lapinskas weist in seinem Lehrbuch zur Phraseologie in Hinblick auf aktuelle Forschungsansätze darauf hin, dass „die stilistische Markierung von Phraseologismen eines der aktuellsten Themen der modernen deutschen Phraseologie darstellt“ (2013, 100). Dabei konzentrieren sich die Untersuchungen auf nicht-literarische Textsorten, wie Werbetexte, Wirtschaftstexte oder journalistische Textsorten. So weist Bachmann-Stein (2012) zwar darauf hin, dass es sowohl in der phraseologischen wie auch in der textlinguistischen Forschung unbestritten sei, „dass Phraseme einen bedeutenden stilistischen Beitrag zu Texten liefern“ (Bachmann-Stein 2012, 283), doch berücksichtigt sie literarische Texte nicht bzw. nur implizit. Dies mag darin begründet sein, dass zwar „der Text als Ganzes als sprachliches Handlungsmittel angesehen wird“, dabei aber „im Zentrum die kommunikative Funktion von Texten in Kommunikationssituationen steht […]“ (Bachmann-Stein 2012, 284). Die seit den 1970er Jahren im Bereich der Literaturwissenschaft entwickelte Rezeptionsästhetik der Konstanzer Schule, zu deren Begründern neben Wolfgang Iser und Hans Robert Jauß auch Kinders Doktorvater Wolfgang Preisendanz gehörte, könnte hier eine interdisziplinäre Brücke schlagen, indem sie die Auffassung vertritt, dass das Kunstwerk sich eben aus einem Kommunikationsprozess zwischen Werk und Rezipienten konstituiere. Dabei ermögliche, so Preußer (2007, 14), die Untersuchung von Phraseologismen aus literaturwissenschaftlicher Sicht das „Herstellen von Assoziationen bzw. Assoziationsräumen, die über diese formelhaften Einheiten katalysiert, erweitert oder benannt werden“. Für die Linguistik konstatiert Bachmann-Stein, dass sich im Zusammenhang mit der kommunikativ-pragmatischen Wende Ende der 1960er Jahre „das bis dato übliche Verständnis von Stil (als Zusammenfassung der verschiedenen Stilfiguren bzw. als Stilgrammatik) verändert“. Text(sorten)stil stelle in diesem veränderten Verständnis „eine spezifische Perspektive auf Texte und Gespräche her, indem er zu deren jeweiliger Gesamtbedeutung Entscheidendes beiträgt“ (Bachmann-Stein 2012, 284). Sie erwähnt im Folgenden auch das „Spannungsverhältnis zwischen individueller Gestaltungsmöglichkeit eines Textexemplars und der Anpassung an die textsortenspezifische Norm“ (ebd., 285). Hier könnte ein weiterer Grund dafür liegen, dass literarische Texte in phraseologischen Untersuchungen weniger repräsentiert sind. Sie stellen keine definierte Textsorte im engeren Sinne dar, das erwähnte Spannungsverhältnis ist sehr zur individuellen Gestaltung hin verschoben und lässt sich in seinem jeweils originären poetischen Anliegen nur schwer vergleichen. Dennoch rekuriert auch der literarische Text auf sprachliche Normen, wie z. B. phraseologische Elemente, stellt sie jedoch in den Dienst ihrer ästhetischen Wirkung. „Während“, so Preußer (2007, 36), „Gebrauchstexte innerhalb vieler Publikationen der Phraseologieforschung sehr genau binnendifferenziert werden und ihre Phraseologismus-Verwendung daraufhin stets an die ihr zugrundeliegende Aussagefunktion rückgebunden werden, wird Literatur von einer solchen Vorgehensweise weitestgehend ausgeschlossen“. Hinsichtlich einer Untersuchung der stilistisch-ästhetischen Funktionen von Phraseologismen explizit in literarischen Texten konstatiert Preußer (2004) daher das „Desiderat eines interdisziplinären Untersuchungsansatzes“ (2004, 267; vgl. auch den Überblick zum Forschungsstand in Preußer 2007, 42–43). Es sei auffallend, „dass häufig Beispiele für eine bestimmte Art der Phraseologismus-Verwendung (z. B. für Modifikationstypen […]) herangezogen werden, ihre ästhetische Brechung aber nicht oder nur unvollständig berücksichtigt wird“ (2004, 268). Preußer verwendet den Begriff der ästhetischen Brechung/Funktion zur Kennzeichnung der spezifischen poetischen Funktion, die dem Phraseologismus innerhalb eines literarischen Textes kontextabhängig zukommt. Sie verweist darauf, dass u. a. charakterisierende und sprachkritische Funktionen von Phraseologismen in literarischen Texten zwar vielfach beschrieben wurden, der poetische Text aber „mehr als Fundgrube für sprachliche Formelhaftigkeit […] genutzt [wird]“ (vgl. Preußer 2004, 268–269). Ihr Anliegen, das sie anhand von Texten Arno Schmidts ausführt und dem sich in Bezug auf Hermann Kinders Text auch der vorliegende Beitrag verpflichtet fühlt, ist es, die jeweilige ästhetische Funktion und Wirkung von Phraseologismen im Rahmen der poetischen Gestaltung des Textes zu beschreiben. Dieses Anliegen fasst Preußer wie folgt zusammen:

Der Gebrauch von Phraseologismen in literarischen Texten unter Berücksichtigung der ihn konstituierenden poetischen Funktion ist in der Phraseologie-Forschung bisher zumeist nur erwähnt, nicht aber eingehender untersucht worden. Die ästhetische Funktion des literarischen Textes zu berücksichtigen soll […] heißen, dass die verwendeten sprachlichen Mittel (in diesem Fall die Phraseologismen) nicht aus dem Kontext gelöst und isoliert betrachtet werden sollen, da gerade die Integration in den Handlungsverlauf und in die formale Gestaltung des Textes Schlüsse auf ihre vielschichtigen Funktionen zulassen. (Preußer 2007, 37)

Die von Preußer vorgeschlagene interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen der Sprach- und Literaturwissenschaft, „die sich leider immer weiter voneinander fort entwickelt haben, obwohl sie doch einen gemeinsamen Gegenstand, die Sprache, als Schnittmenge besitzen“ (Preußer 2007, 17), möchte ich im vorliegenden Beitrag um eine interdisziplinäre Facette erweitern. In die Eruierung der ästhetischen Funktionen der Phraseologismen in Kinders Krankheitserzählung sollen psychoanalytische Perspektiven und Erklärungsmodelle mit einbezogen werden, um zu versuchen, die „Motiviertheit“ der Phraseologismen auch von dieser Seite her zu verstehen. Der vorliegende Text bietet sich hierfür an, da sich sein autobiografischer Charakter mit dem deutlichen Anspruch einer Literarisierung der persönlichen Erfahrung verbindet. Der Beitrag strebt an, in der Beschreibung der ästhetischen phraseologischen Funktionen den Handlungsbogen der Erzählung nachzubilden, um deren poetischen Beitrag auch kapitelübergreifend aufzuzeigen, insbesondere in Hinblick auf den Funktionswandel der Phraseologismen.

2 Der Autor und Literaturwissenschaftler Hermann Kinder:
Autobiografische Bezüge

Hermann Kinders „Der Weg allen Fleisches“ (2014) ist, wie bereits erwähnt, ein autobiografischer Text, in welchem der Autor in literarischer Form von seiner eigenen Krankheitserfahrung erzählt. Der Originalausgabe des Textes sind zudem Zeichnungen des Autors, humoristisch-groteske Portraits seiner selbst während des Krankheitsverlaufs, beigefügt. Aufgrund des autobiografischen Kontextes der Erzählung soll der Autor und Literaturwissenschaftler hier in aller Kürze vorgestellt werden. Im weiteren Verlauf des vorliegenden Beitrages wird zu zeigen sein, warum gerade in diesem, von der eigenen existenziellen Krankheitserfahrung ausgehenden, Text phraseologisch-idiomatische Elemente eine auffällige Häufung und stilistische Bedeutung erfahren.

Hermann Kinder wurde 1944 im polnischen Toruń (dt. Thorn) geboren. Die implizite Bedeutung von Geburtsort und -jahr spielten in Kinders Schriften lange so gut wie keine Rolle. Das transgenerational fortwirkende Unheil traumatischer familiärer Kriegs- und Fluchterfahrungen schien in seinem Schreiben vehement vermieden zu werden. Erst in seinem bisher letzten Buch „Die Herzen hoch und hoch den Mut. Das Familienalbum meines lutherischen Vaters 1942–49“ (2018) wagt Kinder sich auf das Erinnerungs­areal der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Die Flucht der Jahre 1945–46 führt die Familie zunächst nach Mittelfranken, dann nach Münster in Westfalen. Kinder studiert von 1964–68 Kunstgeschichte sowie deutsche und niederländische Philologie in Münster und Amsterdam und beginnt sein Promotionsstudium 1968 in Konstanz, welches er dort 1972 mit einer Arbeit zu Theorien des deutschen Realismus abschließt. Nach seiner Assistentenzeit am germanistischen Lehrstuhl von Wolfgang Preisendanz lehrt er ab 1974 bis zu seiner Pensionierung 2008 als Akademischer Rat im Fachbereich Literaturwissenschaft der Universität Konstanz. 1977 erschien sein erster Roman „Der Schleiftrog“, ein „germanistischer Bildungsroman“ (Honold 2008, 38), über dessen Wirkung der Autor Klaus Modick berichtet:

Die Zustimmung zu diesem fulminanten Debüt war fast ungeteilt; nicht nur die Berufskritiker lobten das Werk, sondern neben Walser auch andere bedeutende Schriftsteller: Alfred Andersch nannte es ‘schwungvoll und hochbegabt’ und Adolf Muschg fiel Kinders ‘heftige, reiche, verletzbare Sprache’ auf. Mit seinen folgenden Romanen […] etablierte sich Hermann Kinder schnell als eigensinnige Stimme und feste Größe der deutschen Gegenwartsliteratur. (Modick 2008, 138)

Neben Gründen, die der ästhetischen Modernität und Sperrigkeit von Kinders Texten geschuldet sind, ihrer, wie Modick schreibt, „an Rücksichtslosigkeit gegenüber dem geneigten Leser grenzende[n] Haltung“ (2008, 139) wurde Kinders Büchern auch durch eine auf seine Doppelexistenz als Germanist und Schriftsteller abhebende Literaturkritik die Entfaltung erschwert. „Mit dem ungalanten Votum einer Autorin, ich hätte als Autor versagt und als Germanist sei ich auch nichts geworden, versuche ich zu leben und zu sterben“, so Kinder selbst (2008, 126). Abschließen möchte ich die fragmentarische Vorstellung des Autors und literaturwissenschaftlichen Dozenten mit Aleida Assmanns Erinnerung an ein mit Hermann Kinder gemeinsam gehaltenes Seminar zum deutschen Väter- und Familienroman:

Unvergesslich das Seminar, in dem er in der ersten Sitzung mit dem ganzen Bücherstapel anrückte, jedes Buch so liebevoll charakterisierte wie einen alten Freund und dann aus jedem Buch den einen Satz herauslas, der es im Kern erfasste. Da habe ich die Studenten verstanden: Dieser Ton unprätentiöser Besonnenheit kann einen süchtig machen.

Dasselbe Seminar ist mir noch aus einem anderen Grund unvergesslich geblieben. Mitten drin fiel Hermann Kinder aus ihm heraus in eine schwere Krankheit. Das Seminar fand weiterhin pünktlich statt, aber die Lücke war in keiner Weise zu füllen. Besonders hat mich beeindruckt, dass diese Attacke die künstlerischen Kräfte nicht zum Erlahmen gebracht, sondern mobilisiert hat; zuerst mit Zeichnungen, dann mit den Worten eines neuen Romans. (Assmann 2008, 197–198)

Kinder erzählt von seiner Krankheitserfahrung in der Er-Form, als ein heterodiegetischer Erzähler im Sinne der Narratologie Gérard Genettes. Waldmann (2000) nennt in seiner Arbeit zu Erzählformen autobiografischen Schreibens als einen der Gründe für die Wahl dieser Erzählhaltung Robert Musils Vorstellung, sich dadurch „irgendwie im Chaos geborgen fühlen zu können“ (ebd., 77). Des Weiteren unterstreiche, so Waldmann, diese Erzählform in besonderer Weise den literarischen Charakter eines autobiografischen Textes (vgl. ebd., 76).

3 Phraseologisches Schreiben in der Erzählung „Der Weg allen Fleisches“

Hermann Kinder schildert in seiner autobiografischen Erzählung „Der Weg allen Fleisches“ das Einsetzen und kaum aufhaltbare Fortschreiten der Autoimmunerkrankung Morbus Wegener, „die zuerst die kleinen Blutgefäße zerstört und dann, vielleicht, Organ nach Organ, den ganzen Menschen“ (Kinder 2014, 20). Nachdem im Eingangskapitel („Du stirbst in Stücken“) von der Tortur immer neuer Leiden und vom schmerzhaften Kampf der Medizin gegen sie berichtet wird, schildert der Erzähler ganz am Ende des Kapitels einen Moment der Ruhe und der Annahme des augenblicklichen Zustandes: „Er stemmte sich ins Bett, verknotete das Schlitzhemd im Nacken, sank in die Kissen und wartete auf das Frühstück. Es roch vom Flur her schon nach Kaffee. So geordnet und behütet konnte das Leben weitergehen. […] Dann war ich in Afrika“ (ebd., 51–52). In einem Moment der Erholung fällt der Patient nochmals in den Schlaf, in die unbewusste, regressive Welt eines Traums. Die Bilder dieses Traums werden im zweiten, mittleren, Kapitel der Erzählung wiedergegeben, dessen Überschrift aus einem Zitat des auf den Rollstuhl angewiesenen aktuellen Präsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Schäuble, gebildet wird: „Im Traum bin ich Fußgänger“ (ebd., 52)1. Mit der Entlassung des Kranken im Rollstuhl aus dem Krankenhaus beginnt der Erzähler im dritten, abschließenden, Kapitel den Bericht über einen quälenden und alle verbliebenen Kräfte fordernden Prozess der langsamen Rückeroberung eines labilen gesundheitlichen Gleichgewichtes, ein Ringen um jedes noch so kleine Refugium von Alltagsbewältigung, Autonomie und Handlungsfähigkeit. Der Literaturwissenschaftler Markus Schwahl weist hinsichtlich der Diktion der Erzählung darauf hin, dass man sie

in die Nähe der so genannten „klinischen“ Literatur rücken könnte, einer Krankheitsliteratur, die sich anschickt, das semantische und soziale System der Literatur zu durchbrechen und als Anschauungs- und Lernobjekt für Mediziner, Psychoanalytiker und Psychiater zu dienen. (Schwahl, Thienel 2019, 265)

Inmitten einer klinisch-sachlichen Dokumentation des Krankheitsverlaufs ist Kinders Text, vor allem im ersten Kapitel, gleichzeitig durchzogen von einem Netz phraseologischer Elemente und idiomatischer Wendungen. Diese Beobachtung erstaunt nicht nur aufgrund des hohen Maßes an Modernität und Individualität von Kinders literarischer Sprache. Formelhaftes, Idiomatisches fiel bisher in keinem anderen Werk Kinders in dieser Weise auf. Die vielfältigen ästhetischen, und auch psychologisch begründeten, Funktionen der phraseologischen Elemente des Textes möchte ich im Folgenden zunächst anhand des ersten Kapitels, ausgehend vom Titel, veranschaulichen.

3.1 Der Titel der Erzählung als programmatisches Zitat

Das titelgebende Zitat „Der Weg allen Fleisches“ findet sich als Wendung schon im Alten Testament, unter anderem im 1. Buch Mose: „Und Gott sah die Erde, und sieh, sie war verdorben, denn der Weg allen Fleisches war verdorben auf Erden“ (1. Moses 6, 1213), in ähnlicher Form auch im Buch Hiob (16, 22) und im 1. Buch der Könige (2,2). Von ihrer Bedeutung her ist die Redensart „einer der vielen Euphemismen für das Umfeld von Tod und Sterben. Grundlage der Redensart ist die universale Metapher, das Leben als einen Weg oder als eine Reise zu symbolisieren“ (redensarten-index.de [online]). Des Weiteren bildet die Wendung den Titel mehrerer Filme (1927, 1976) sowie eines gesellschaftskritischen Romans von Samuel Butler („The way of all flesh“, 1903 postum). Auch in Gottfried Kellers berühmter Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ (1856) ist sie anzutreffen: „Es freut mich zu sehen, wie gut ihr gefahren seid, und werde gewiss noch erleben, dass ihr vor mir den Weg alles Fleisches geht!“ (Keller 2011, 32) Sabine Peters bezeichnet in ihrer Besprechung von Kinders Erzählung die Wendung als „lakonisch“ (Peters 2014 [online]). Kinders Verwendung der Redensart als Titel seiner Erzählung öffnet somit ein Feld an (intertextuellen) Bezügen und Bedeutungen. Der Bezug zur biblischen Vergänglichkeitsmetapher scheint dabei in Hinblick auf den existenziellen Charakter der geschilderten Erfahrungen des Protagonisten konnotativ vorrangig zu sein. Für den Germanisten Kinder ist vermutlich auch die Anspielung auf den Text des Schweizer Autors G. Keller bedeutsam und damit auf die Landschaften, die mit dem Rad zu durchqueren der Protagonist liebte, solange er noch gesund war. Die titelgebende Verwendung einer Redensart, die Teil des kulturellen Gedächtnisses ist und aufgrund ihrer häufigen Verwendung in den entsprechenden kulturellen Kontexten popularisiert und zum Geflügelten Wort wurde, kann vor dem Hintergrund des in der Erzählung geschilderten Leides zum einen als lakonische Pointierung der Tragik des Erzählten verstanden werden, darüber hinaus auch als ironische Entlarvung des euphemistischen Charakters der Wendung. Gleichzeitig scheint nicht zuletzt der am Rand des Lakonisch-Ironischen mitschwingende subtil humoristische Unterton ein Hinweis auf die Distanzierungsmöglichkeiten der Erzählhaltung zu sein und darauf, dass die literarische Darstellung nicht als deckungsgleich mit der Realität zu verstehen ist. Sie lässt Raum für kommentierende Verfahren und Haltungen des Erzählers, die in Sarkasmus und Ironie, aber auch in Mitgefühl und Humor ihren Ausdruck finden. Kinder selbst beschreibt sein Verhältnis zum autobiografischen Schreiben folgendermaßen: „Ein Grund beim Schreiben geblieben zu sein, ist das Spiel, in Fiktionen ‘Lug und Trug’ und Wahrheit mit komischer Lust durcheinander zu bringen. Das betrifft auch das Autobiografische“ (Kinder 2008, 117). Kispál erinnert in seiner Untersuchung über „Metaphorische Idiome des Lebens“ an eine Grundthese der Metapherntheorie von Lakoff und Johnson, die besagt, dass wir mittels der Metapher „das Nichtphysische in Begriffen des Physischen konzeptualisieren“ (Kispál 2013, 27). In diesem Zusammenhang kollidieren in der titelgebenden Metapher Der Weg allen Fleisches die beiden genannten Bereiche auf spannungsvoll-reziproke Weise, was vielleicht auch ihre Expressivität ausmacht: Im Weg wird die nicht-physische Erfahrung eines Prozesses auf einen Begriff, eben den Weg, projiziert, der eine physische, d. h. sichtbare, greifbare, real begehbare Erfahrung aufruft. Das Objekt dieses Weges wird dabei mit einem Inbegriff des Physischen bezeichnet: mit dem des Fleisches. Dieser Begriff verweist jedoch gerade zurück auf die mit ihm konnotierten nicht-physischen Konzepte von Vergänglichkeit, Trauer, Vulnerabilität des Lebens, ja letztlich auf Fragen einer metaphysischen Dimension nach Ursprung und Ziel unseres Lebensweges. Dieses Changieren zwischen der gänzlich unmetaphorischen Darstellung einer erbarmungslosen physischen Krankheitsrealität einerseits und einer mittels der Erzählhaltung stilistisch facettenreichen Kommentierung der nicht-physischen, seelischen, Bedeutungsbereiche der Krankheitserfahrung andererseits bilden ein zentrales, der Erzählung als Ganzes immanentes Spannungsverhältnis.

3.2 Phraseologismen als sprachliches Mittel zur Darstellung
trügerischer Gesundheit

Die Erzählung setzt ein mit der lustvollen Schilderung einer Radtour des sich kerngesund fühlenden Protagonisten von Konstanz in das Schweizer Voralpenland. Die einleitenden Sätze folgen einem Sprachduktus, der sich, einer Grundtonart gleich, durch den Text zieht und von feinsten phraseologischen Verbindungen durchdrungen ist. Sie bewirken zu Beginn der Erzählung einen fast volkstümlichen Klang, der vor dem Hintergrund dessen, was im Titel angekündigt wird, jedoch nicht geheuer, ja fast unheimlich anmutet.

(1) Er erwachte vom Kampf der Krähen und Elstern um den obersten Nestsitz in den sich IM WIND WIEGENden ALTEn KASTANIEN. Licht fächerte durch die FUGEN DES FENSTERLADENS und seeFRISCHE LUFT. GEWASCHEN UND DUFTEND zog er die elastische schwarze Hose an und ruckte die Ledereinlage zurecht. Das Gemächt eingekugelt. IN DIE gepolsterten HandschuhHÄNDE GEKLATSCHT. Den treuen abgewetzten Geierschnabel gestreichelt. Lauernd hinter der Sonnenbrille durch die Stadt MIT GEMÄßIGTER KRAFT. ABER DANN LOS ÜBER DIE bekannten HÜGEL, HINAB IN DIE TÄLER und HINAUF IN DIE BERGE, stehend im Hüftschwung, um DAS TEMPO zu HALTEN, an den Schienenbeinen TRATEN die RadfahrerMUSKELN HERAUS. Er war ins Toggenburg gekommen und trank am Bahnhof Büchsenwasser. EIN ALTES PAAR kam hinzu. (Kinder 2014, 9)

Das phraseologische Gewebe besteht hier (im Textbeispiel großgeschrieben) aus Kollokationen, Phraseoschablonen im Sinne Fleischers (1983, zit. bei Lapinskas 2013, 103) und angedeuteten bzw. leicht verfremdeten einfachen Wortverbindungen (in die Handschuhhände geklatscht), die der Muttersprachler unwillkürlich wahrnimmt. Burger weist auf die kohäsionsbildende Funktion von Kollokationen hin (vgl. Burger 2010, 158), welche von dieser ästhetischen Wirkung her im zitierten Textausschnitt wesentlich zum Eindruck von Gesundheit, Lebensfreude und Tatkraft beitragen. So kann körperliche und psychische Gesundheit durchaus als Erfahrung und Empfindung (funktionaler) Kohärenz verstanden werden. Die phraseologischen Elemente werden im angeführten Beispiel zudem stilistisch ergänzt, ja umspielt, von zahlreichen Assonanzen und Alliterationen (im Textbeispiel durch Fettdruck hervorgehoben) und eingebettet in eine, teilweise im Versmaß (stehend im Hüftschwung, um das Tempo zu halten), rhythmisierte Sprache. Auf diese Weise schafft Kinder im Eingang der Erzählung einen geradezu lyrischen Klang, den er an anderer Stelle als Eigenheit und Anliegen seiner Prosa beschreibt:

Aber wichtig ist mir die Melodie (Töne, Klänge, Tempi) in beiden Gattungen. Im Melodischen ist gute Prosa im Prinzip nicht anders als Lyrik ein Schreiben, das sich eben nicht nur nach Grammatik, Sinn richtet. Die Tonkunst ist dieselbe. (Kinder 2008, 122)

Interessant in Hinblick auf die Verwendung phraseologischer (Mikro-)Strukturen ist Kinders Zusatz, er „meine […] nicht, dass die ‘Melodie’ eine Sache des individuellen Inneren, des Körpers und seiner Authentik sei. Dafür ist dabei zu viel Konvention und Zeitmodisches im Spiel“ (ebd., 122–123). Aus dieser Beschreibung des Melodischen der Sprache, seines überindividuellen, auch aus Konventionen und Zeitmoden heraus gewachsenen Charakters, ergibt sich ästhetisch ein Einfallstor für die Verwendung phraseologischer Elemente, die stilistisch im Dienste einer „Suche nach den sinnlich gelungenen Sätzen“ (Kinder 2008, 123) stehen. Der durch ein dichtes Gewebe phraseologischer Elemente, Alliterationen, Assonanzen und mithilfe der Rhythmik erzeugte lyrische Sprachklang im angeführten Textbeispiel macht die (vermeintlich) gute körperliche Verfassung des Protagonisten und seine Lebensfreude während seiner Fahrradtour für den Leser sinnlich erfahrbar. Die Phraseologismen tragen in ihrer ästhetischen Funktion hier dazu bei, den Leser mitzunehmen in eine vermeintlich heile, kohärente und, auch sprachlich, im Vertrauten aufgehobene, scheinbar noch schöne und sichere Welt. Ausgehend von Johnsons Hypothese, dass „alle metaphorischen Projektionen auf der unmittelbaren sinnlichen Erfahrung basieren“ (vgl. Burger 2010, 91), aktiviert der als sinnliche Erfahrung angelegte literarische Text im Leser in besonderer Weise einen metaphorischen Rezeptionsmodus, der hier einer Doppelung der Selbsttäuschung des Protagonisten im Leser gleichkäme.

Gleichzeitig klingt die so erzeugte ‘Melodie’ und Szenerie fast zu schön, um wahr zu sein. Kinder schafft es, einen Ton zu finden, dessen bewusste Komposition, auch mithilfe der genannten phraseologischen Mikrostrukturen, einen, im Wortsinne, stilisierten Unterton bekommt. Er enthält eine Ebene, die dem Leser schon bald nicht mehr ganz geheuer ist, ebenso wie dem Protagonisten seine fast unmerklich nachlassenden Kräfte: „In einer steilen Kehre, kurz vor Wildhaus, verließ ihn die Kraft. Er wollte weiter, aber es ging nicht. Er hechelte heiß. Es gelang ihm nicht mehr, die Pedale nach unten zu drü­cken“ (Kinder 2014, 10). Der Protagonist versucht, diese ihm unerklärliche Entwicklung innerlich abzuwehren. Er kaschiert sie: „[…] tat so, als habe er einen technischen Defekt“ (ebd., 11), verleugnet sie: „[…] und fegte in einem Schwung hinunter ins Thurtal und den Klacks von Seerücken hinauf und hinunter nach Konstanz. Keine Krämpfe“ (ebd.) und beschönigt sie: „Und er gewann neues Vergnügen. Hatte er zuvor allein auf die anstrengende Leistung gezielt, möglichst ohne einmal anzuhalten, so saß er nun gern ab […]“ (ebd., 12). Je stärker er das unerklärliche Nachlassen seiner Kräfte abwehrt, umso gehobener und metaphorischer wird die Sprache:

(2) Und dann blinkte der Polarstern. Und dann stieg der volle weiße Mond auf und schüttete sein Silber auf die Wellen des Sees. Die Fülle des Daseins. (Kinder 2014, 12)

Ohne dass die Sätze phraseologische Elemente im engeren Sinn enthalten, fällt doch die Formelhaftigkeit der beschriebenen Schönheit und die Erhabenheit der Sprachbilder auf: Die Wiederholung des Satzanfangs und der syntaktischen Struktur dienen der Verstärkung der (selbst)suggestiven Wirkung. Der Mond geht nicht auf, er steigt auf. Der Schlusssatz steigert als phraseologisch anmutende Ellipse die Empfindung, indem er an die Stilgeschichte des Begriffs der Fülle anknüpft:

Einer der häufigsten Ausdrücke in der Seelensprache des deutschen Irrationalismus ist die Fülle. […] Seit etwa den siebziger Jahren2 besitzt der Ausdruck dann sein ganzes Schwergewicht. Der echte Mensch besitzt ‘Fülle’, man spricht von ‘Fülle’ des Herzens, der Seele, des Lebens, der Freude, der Empfindung, der Wonne, der Liebe, der Natur usw. […] Typisch auch die Empfindung der ‘Fülle des Daseins’ beim Erlebnis des Sonnenaufgangs. (Maurer, Stroh 1959, 107)

Der Verwendung formelhafter sprachlicher und metaphorischer Verbindungen kommt hier die Funktion einer Selbstberuhigung und einer Angstabwehr des Protagonisten zu. Stilistisch wird ein Sprachklang gebildet, der an Körperlichkeit sukzessive verliert, aber an Empfindung und Beseelung gewinnt, fast bis ins Metaphysische hinein. Aus psychoanalytischer Sicht wird mithilfe der beschriebenen formelhaften Elemente der Sprache der Abwehrmechanismus der Reaktionsbildung ausgeformt, bei dem zur Abwehr z. B. einer unerträglichen Erkenntnis eine dieser Erkenntnis entgegengesetzte Verhaltens- oder Erlebnisweise entwickelt wird.

3.3 Phraseologismen als Sprache des Systems Krankheit

Die vorgeprägten, festen Elemente der Sprache fungieren zu Beginn der Erzählung zunächst als stilistische Mittel der sprachlichen Darstellung eines inneren Schutzraumes des Protagonisten. In diesen eingefasst ist das Hochgefühl der vermeintlichen Gewiss­heit eigener Gesundheit, dann die Mechanismen der Verdrängung schwerer Erkrankung. Der Registerwechsel erfolgt abrupt mittels klinischer Terminologie: „Man diagnostizierte ein Lungenemphysem“ (Kinder 2014, 13). Mit steigender Beunruhigung des Protagonisten, und auch der Ärzte, verliert auch das Formelhafte der Sprache die Funktion eines Schutzraumes. Ebenso wie seine immer weniger zu verleugnende Krankheit dienen phraseologische Elemente nun der Darstellung von Inhalten, die dem Protagonisten als etwas Formalistisches, Abweisendes und Seelenloses gegenübertreten. Wie im folgenden Textbeispiel können diese Inhalte mal als Spruchweisheit eines bemüht lustigen, letztlich aber kleinbürgerlich-aggressiven Warnschildes auftreten, vor allem aber als sprachlich stereotype, baukastenartige Versatzstücke der bürokratischen Verwaltung der Krankheit:

(3) Er […] las etwas oder auch nicht, beobachtete die Krähen in den Nussbäumen, an die ein Schild genagelt war: Jeder dritte Nussdieb wird erschossen, zwei waren heute schon da. Die Krähen kümmerten sich nicht drum. Sein Leben war ruhig und genau geworden. Statt Speichen und Felgen zu polieren, beglich er Arztrechnungen und reichte sie bei der Krankenkasse ein. Früher hatte er Beitragsrückerstattungen bekommen wegen Nicht-Inanspruchnahme der Krankenkasse. Nun schämte er sich. (Kinder 2014, 15)

Die Verwendung entpersönlichter Elemente der Verwaltungssprache bzw. der klinischen Terminologie (Nominalisierungen, Kompositabildungen, Funktionsverbgefüge) spiegeln im Kontext des Handlungsverlaufs die Entseelung, die Routinen und Automatismen des medizinischen Systems wider, welches mit fortschreitender Erkrankung immer mehr das Leben des Protagonisten bestimmt. Er wird in einer nicht enden wollenden Tortur eine Kettenreaktion an Primär- und Sekundärerkrankungen durchleiden: Lungenemphysem, Herzinfarkt, Morbus Wegener, die Nebenwirkungen der Behandlung durch Cortison, Immunsuppressiva und Chemotherapie, verschiedene Aneurysmen, eine Embolie und die dadurch notwendige Amputation eines Vorderfußes. Der Einsatz formelhafter Strukturen in der Sprache vollzieht hier einen nächsten Funktionswandel: Im Gegensatz zum Beginn der Erzählung bildet er nun die dem Protagonisten bewusst noch nicht einsichtige Aggressivität seiner Erkrankung (auch die Kehrseite des Volkstümlichen) ab, zunächst zeichenhaft als Warnschild. Als die Einsicht in die Erkrankung schließlich unabweisbar wird, dient das Formelhafte dem Versuch ihrer (sprachlichen) Kontrolle, Objektivier- und Verwaltbarkeit. Im Rahmen dieser ästhetischen Funktion findet, inhaltlich im Kontext der Untersuchungs- und Behandlungsprozeduren, auch die medizinische Fachsprache umfangreich Verwendung. Auf die in ihr zum Einsatz kommenden „Verfahren der Anonymisierung“ und „objektivierten Sachdarstellung“ hat Kühtz (2007, 63) in seiner Arbeit zum phraseologischen Gehalt medizinischer Texte hingewiesen.

3.4 Die (misslingende) Redewendung als Ausdruck einer fatalen Realität

Mehrfach zitiert Kinder im Text auch bekannte Redewendungen. Diese häufen sich kongruent zum Fortschreiten der Krankheit und ihrer dramatischen gesundheitlichen Folgen für den Protagonisten. Dessen Situation wird angesichts der Unerträglichkeit des eigenen Leidens seinen Blick ausweiten auf die ihn umgebenden gesundheitlichen Verheerungen der anderen Patienten im Krankenhaus, auf die Vergänglichkeit „allen Fleisches“, und sie wird Textfragmente eines alten Soldatenliedes in ihm wachrufen. Im folgenden Textbeispiel verwendet der Autor zunächst die Redewendung jmd. auf die Sprünge helfen sowohl in ihrer übertragenen Form (jmd. aus einer Verlegenheit helfen, ihm den richtigen Weg weisen) sowie in ihrer wörtlichen (jmd. helfen, einen Sprung zu tun). Letztere Lesart markiert der Erzähler in seinem eingeschobenen Kommentar als eine, für die Hauptfigur noch nicht absehbare, bittere Vorausschau auf die notwendige Entscheidung der Ärzte, dem Protagonisten einen Teil des Vorderfußes amputieren zu müssen:

(4) Er wird sich, um Übersicht zu haben, seine Operationen, die Wochen, Monate seiner Krankenhausaufenthalte in ein Oktavheft eintragen, zumal er bei jeder neuen Anamnese seine Krankengeschichte nur vage in Erinnerung haben wird, weshalb sie ihm wird auf die Sprünge – was, was er noch nicht weiß, ein bedenkliches Wort werden wird – helfen müssen. (Kinder 2014, 24)

Durch den kommentierenden Einschub des Erzählers wird hier neben der phraseologischen auch die wörtliche Lesart der idiomatischen Wendung aufgerufen. Obwohl der Phraseologismus selbst nicht modifiziert wird, erreicht der Erzähler durch seine Bemerkung eine „Ambiguierung durch Evozieren der Wörtlichkeit“ (Sabban zit. in Bachmann-Stein 2012, 290). Diese Ambiguierung führt zu einem „Kumulieren von Bedeutungen“ (ebd.) und dadurch zu einem Interpretationsbedarf für den Leser, wobei „der Kontext die ambivalente Interpretation des Ausdrucks steuert“ (Burger 2010, 160). Im vorliegenden Kontext entlarvt Kinder die scheinbare Harmlosigkeit der Bildersprache volkstümlicher Redewendungen, deren übertragene Bedeutung im falschen Kontext ihre semantische Kompatibilität verliert (vgl. Lapinskas 2013, 11) und von der wörtlichen Bedeutung auf geradezu brutale Weise konterkariert wird. In diesem Sinne ist die relative Festigkeit der kollektiven Verinnerlichung der idiomatischen Bedeutung einer Redewendung hoch kontextabhängig. Der Erzähler verweist in seinem Kommentar des Idioms implizit darauf, dass die nicht-idiomatisierte Bedeutung der einzelnen Lexeme latent aktiviert bleibt und durch den widersprüchlichen, bzw. zu wörtlich passenden, inhaltlichen Kontext, d. h. die drohende Vorfuß-Amputation, gleichsam provoziert wird und in den Vordergrund tritt. Idiomatische und wörtliche Bedeutung der Wortverbindung verhalten sich somit je nach Kontext wie ein Vexierbild, welches in die eine oder andere Richtung kippen kann. Dabei ist das Hervortreten der wörtlichen Bedeutung nicht isoliert möglich, sondern stellt automatisch eine Kommentierung der idiomatischen Bedeutung, ja der Praxis idiomatischer Volkstümlichkeit überhaupt dar, hier mit einem zutiefst bitteren und drohenden Beiklang.

Im weiteren Verlauf des Textes wird auch die Sprache der Ärzte, mit welcher diese die Untersuchungs- und Behandlungssituationen begleiten, als Teil der Automatismen ärztlicher Routinen dargestellt (vgl. Abschnitt 3.3). Diese stehen, da „auch bei Variationen die jeweiligen Handlungsfunktionen von Formulierungsmustern unverändert bleiben (sie also pragmatisch fest sind)“ (Kühtz 2007, 236), in größtem Gegensatz zu den situationsgebundenen Ängsten des Patienten und zu den mit den ärztlichen Handlungen für ihn verbundenen Schmerzen. Die schwerwiegende Erkrankung des Protagonisten wird als eine existenzielle Situation des Einzelnen dargestellt, in der fachsprachliche Sprechaktformeln und Sprechaktklischees (vgl. Lapinskas 2013, 16), hier: routinierte Beruhigungsformeln, sich in ihr Gegenteil verkehren. Die Sprache verliert durch ihren ritualisierten, formelhaften Charakter, der den Protagonisten in seiner Angst nicht erreicht, ihre eigentliche Funktion. Sie trennt statt zur Verständigung zu verhelfen; sie verringert die Einsamkeit des Betroffenen nicht, sondern steigert sie. Sprachkritik erhält vor dem Hintergrund der Hilflosigkeit und Verzweiflung des Protagonisten hier eine existenzielle Dimension angesichts des völligen Versagens der empathischen Funktion von Sprache aufgrund ihrer routinierten Formelhaftigkeit:

(5) Er wird hunderte Male hören: Nun wird es etwas kühl auf der Haut; nun piekst es etwas, das kann ich Ihnen nicht ersparen; Ihre Venen sind ja eine Katastrophe. (Kinder 2014, 26)

Die emotionale Situation des Protagonisten bleibt in dieser formalisierten Sprechweise im Hintergrund auf eine fast unheimliche Weise erhalten: Das Textzitat enthält zumindest drei der vier von Dobrovol’skij für das Deutsche identifizierten metaphorischen Ausgangsbereiche zum emotionalen Zielbereich ANGST: 1. Kälte; 2. Körperliche Schwäche; 3. Feindliches Wesen (Dobrovol’skij zit. nach Burger 2010, 92).

Das Leid scheint im weiteren Krankheitsverlauf über das Fassungsvermögen des Prota­gonisten hinauszuwachsen, weitet sich zu einem Blick auf das Leid um ihn her und bekräftigt durch die Entfaltung neuer Narrative die Vergänglichkeit „allen Fleisches“:

(6) Die Zukunft trat nach und nach ein. In jedem Stadium wusste er nichts von ihr und hoffte unentwegt auf Besserung. Er hatte einen Kameraden, der war zum Fest des Musikvereins gegangen, und als er zurückkehrte, ausgerutscht und mit dem Kopf gegen einen Poller geschlagen. Nun saß er aufrecht und bewusstlos in den Kissen und erstickte. (Kinder 2014, 31)

Kinder zitiert in diesem Textbeispiel den Beginn eines der bekanntesten deutschen Soldatenlieder „Ich hatt einen Kameraden“ nach einem Text von Ludwig Uhland (1809) und einer Melodie aus dem 18. Jh. (Klusen 1988, 841). Fünfzehn Mal hebt mit diesem Liedbeginn der Bericht der Leidensgeschichte eines Mitpatienten an. Wie in dem im Schlusskapitel der Erzählung aufgerufenen Bild „Dulle Griet“ (1563, dt. ‘Tolle Grete’) von Pieter Bruegel entsteht ein Panoptikum menschlicher Verwundbarkeit und Sterblichkeit. Der Rückgriff auf die kollektive Erfahrung des Krieges wird durch das Liedzitat einerseits der Lächerlichkeit preisgegeben, denn der Leser weiß aus den vorausgegangenen Beispielen, wie kritisch der Erzähler mit volkstümlichen Redensarten verfährt. Gleichzeitig scheint dieser Rückgriff aber auch einem, vielleicht uneingestandenen, Bedürfnis des Protagonisten zu entsprechen, sein individuelles Schicksal in das kollektive Schicksal des Menschen, krank werden zu können und eines Tages sterben zu müssen, einzuordnen.

(7) Ich hatt einen Kameraden,

einen bessern findst du nicht.

Die Trommel schlug zum Streite,

er ging an meiner Seite

im gleichen Schritt und Tritt. (Klusen 1988, 509)

Versteckt am Ende der zitierten ersten Liedstrophe, welche der älteren Generation wohl meist noch geläufig ist, wird das Motiv der Vorderfuß-Amputation, von welcher der Protagonist zu diesem Zeitpunkt noch nichts weiß, durch die Zwillingsformel Schritt und Tritt vorweggenommen. Der Phraseologismus selbst taucht somit im Text gar nicht auf, wird aber im kulturellen Gedächtnis des Lesers intertextuell aktiviert. Er ironisiert gleichsam aus dem Hintergrund den Topos des Kriegsmarsches angesichts der auf den Protagonisten zukommenden Verstümmelung.

3.5 Phraseologische Reflexe einer „vergessenen Sprache“ des Trostes

Auch dann, wenn der Protagonist der Selbstberuhigung oder des Trostes durch andere bedarf, verwendet der Autor formelhafte Sprachelemente. Sie bilden auch hier die innere Verfassung des Protagonisten, oder anderer Figuren, ab und stellen gleichzeitig eine implizite Kommentierung durch den Erzähler dar. Das im Folgenden wiedergegebene, von einem traurig-mitfühlenden Ton durchdrungene, Textbeispiel schließt am Ende mit einem Rückgriff auf eine vertraute Wendung aus der Märchensprache (hervorgehoben), welcher über die Sprache eine Verbindung sucht zu einer Welt, in der die Dinge auch wieder gut werden können:

(8) Langsam war er geworden. Das hatte Vorteile. Er brauchte nicht mehr zu hetzen. Schlief länger. Er saß nun am liebsten auf Bänken, die mit Bus und Bahn zu erreichen waren, und beobachtete die eiligen Menschen an Bahnhöfen und Haltestellen. Er war’s zufrieden. (Kinder 2014, 16)

Auch die Frau des Protagonisten verfällt in ihrer liebevollen Sorge in eine Wendung aus der Märchensprache: „Von der Chemotherapie gingen ihm höchstens drei Haare täglich aus. Siehst du, sagte sie, es tut sich immer wieder ein Türlein auf“ (ebd., 21). Der Rückgriff auf phraseologische Wendungen, die in ihrem Sprachklang vielen deutschsprachigen Kindern und Erwachsenen, zumindest von Ferne, noch immer vertraut sind, ermöglicht in beiden Beispielen die Verbindung zu einem kollektiven Kulturgut, in dem der Kranke sich als Einzelner aufgehoben fühlen und aus dem heraus er an, offenbar beruhigend wirkende, Erinnerungsquellen anknüpfen kann, die in magischem Gewand Hoffnung versprechen. Kinder verwendet hier stilistisch einen phraseologisch peripheren Bereich, es sind mehr Anklänge und Erinnerungsfragmente an vertraute Wendungen einer Sprache, die der Psychoanalytiker Erich Fromm im Untertitel seines bekannten Buches „Märchen, Mythen, Träume“ (1951) als „vergessene Sprache“ bezeichnet hat, als „Symbolsprache“ in deren Logik „nicht Zeit und Raum die dominierenden Kategorien sind, sondern Intensität und Assoziation“ (Fromm 1951, 6). Die Märchenanklänge in Kinders Text, und zwar an den Stellen, an denen Versuche von (Selbst-)Beruhigung und Trost unternommen werden, öffnen eine Verbindung zum Symbolischen weniger durch konkrete Sprachsymbole, sondern durch fast musikalische Anklänge an sprachliche ‘pattern’ der literarischen Romantik. Diese Anklänge, man könnte auch sagen Stil-Imitationen, verbinden die von Piirainen (1998, 212–213) genannten Symbolmerkmale der „Konventionalisierung“ (S. Peirce), „Ähnlichkeitsbeziehung“ (E. Cassirer) und „konnotativen Bedeutung“ (Saussure). Sie rufen mittels des Sprachklanges intertextuell die symboldurchtränkte Welt des Märchens auf und damit auch die Welt der Kindheit mit ihrer, vermeintlichen, Geborgenheit und Sicherheit. Es gehört zur Subtilität von Kinders literarischer Kompositionsweise, dass durch das kontextuelle Umfeld dieser phraseologischen Anspielungen dem Leser dieser sprachliche Trost alles andere als geheuer ist und eher in die Nähe eines grimmigen Humors gerät.

4 Die Rückgewinnung labiler körperlicher und seelischer Gesundheit. Vom phraseologischen Schreiben zur Intertextualität

Im weiteren Verlauf der Erzählung fällt auf, dass die beschriebene, von phraseologischen Elementen durchzogene, Schreibart entweder ganz entfällt (zweites Kapitel) oder sich in Ausdruck und Form verändert (drittes Kapitel).

Der Verzicht auf phraseologische Formulierungen ist in Hinblick auf die Konzeption des zweiten Kapitels insofern notwendig und folgerichtig, als es sich um die literarische Darstellung eines Traums handelt. Es wäre eine interessante Fragestellung, die sprachlichen Anteile realer Träume einmal auf idiomatische Elemente hin zu untersuchen. Die Sprache der Träume ist aber überhaupt vorrangig eine Bildersprache. Entsprechend besteht Kinders Traumkapitel aus einer Kaskade vielfältig aufeinander folgender Traumbilder. Aufgrund ihres in der Psychoanalyse als primärprozesshaft bezeichneten Charakters, d. h. eines Außerkrafttretens der im Wachzustand vertrauten sekundärprozesshaften Kategorien von Kausalität, Chronologie, Gegensätzlichkeit u. a., stellen sprachliche oder bildliche Ereignisse des Traumerlebens meist das genaue Gegenteil von festen Fügungen gleich welcher Art dar. Phraseologisches Schreiben wäre insofern inkompatibel mit dem literarischen Entwurf eines Traums. Einer Idiomatizität der Sprache bedarf es im Traumkapitel auch daher nicht, da der Traum als Ganzes als ein eigenes, ggfs. zu übersetzendes, Idiom verstanden werden kann. Der Verzicht auf phraseologische bzw. idiomatische Elemente ist auch inhaltlich zu verstehen. In der regressiven, unterbewuss­ten Welt des Traums wird die existenzielle Bedrohung der Erkrankung gerade nicht auf sprachlicher Ebene zu bändigen versucht. Das unbewusste Erleben des Protagonisten findet stattdessen Ausdruck in der erwähnten, kunstvoll gestalteten Bilderflut, für deren Darstellung der Autor im Kontrast zum phraseologisch kontrollierten ersten Kapitel eine gleichsam assoziativ frei fluktuierende Sprache verwendet. Psychoanalytisch gesehen kann der Protagonist durch die von Freud beschriebenen Mechanismen der psychischen Traumarbeit die im Eingangskapitel geschilderten existenziell bedrohlichen angst- und schmerzvollen Krankheitserfahrungen in psychologische Inhalte verwandeln, gleichsam verinnerlichen, bzw. in der berauschenden Bilderflut eine Gegenwelt erleben.

Im dritten Kapitel der Erzählung wird von der Zurückgewinnung eines labilen gesundheitlichen Gleichgewichts des Protagonisten berichtet. Von dem Kampf, den diese Anstrengung bedeutet, berichtet der Erzähler in einer ruhigen, sachlichen Weise. Die Sprache des dritten Kapitels kommt ohne schmerzhaft-zynische Bloßstellungen verfehlter Redewendungen und ohne die phraseologische Bändigung der erzählten Krankheitserfahrungen aus. Der folgende Textausschnitt soll den veränderten, von Phrasemen fast freien, Tonfall des dritten Kapitels veranschaulichen.

(9) Vom See, von den Bergen, von den Schiffen, von seinen Radwegen hatte er nun nichts mehr. Er sah sie nicht einmal. Er saß im Rollstuhl am Fenster und schaute in die Kastanien, in denen wie jedes Jahr die Elstern und Krähen um die besten Nestplätze stritten. Zum ersten Mal sah er, wenn er so lange am Fenster saß, wenn er die langsamen Stadtbusse an- und abbrummen hörte, was er noch nie gesehen hatte: die Stämme der Kastanien hinauf und kopfüber hinab hüpfende Vögel, die er mit dem Laptop auf den Knien zu identifizieren versuchte. (Kinder 2014, 88)

Vereinzelte Male wird im weiteren Verlauf des Kapitels der Effekt der Ambiguierung, d. h. der gleichzeitigen Aktivierung von idiomatischer und wörtlicher Bedeutung, noch aufgegriffen, doch dient sie nun nicht mehr als sprachkritische Zielscheibe, sondern klingt trotz ernsten Untertons gutmütiger, z. T. selbstironisch und humoristisch. In einer inhaltsbezogenen Steuerung ihrer Bedeutung „erfolgt die Ambiguierung je nach Kontextarrangement in unterschiedlicher Ausprägung“ (Burger 2010, 163). Darüber hinaus zeigen verschiedene Modifikationen auch einen spielerischen Umgang mit dem phraseologischen Material:

(a) jmd. fehlt etwas = jmd. fühlt sich nicht ganz gesund;

Anspielung auf die wörtliche Bedeutung, nämlich die Amputation des Vorderfußes (und auf den Klumpfuß des Teufels):

(10) Es war wieder so weit: Reha. Er musste seinen Watteschuh gegen Turnschuhe tauschen; und hatte das Provisorium eines schwarzen Klumpfuß ohne Kuppe, alle sahen, wie es mit ihm bestellt war. Aber er stank wenigstens nicht nach Schwefel. Unter denen, die Reha machten, war er der einzige, dem etwas fehlte. (Kinder 2014, 98)

(b) ein Leichtfuß sein = ein unbekümmerter Mensch sein;

Durch Substitution modifiziert = keiner unbeschwerten Bewegung mehr fähig sein:

(11) Alle unbeschwerte Bewegung ist nur noch Erinnerung. Aus einem Leichtfuß ist ein Schwerfuß geworden. Die Standpausen werden immer länger. (Kinder 2014, 121)

(c) Verweile doch, du bist so schön = Zum geflügelten Wort gewordene Zeile aus Goethes Faust I (Szene: Studierzimmer II): „Werd’ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“

Modifikation durch ironisierende Expansion:

(12) Er sagt zum Augenblick: Verweile doch, bevor alles viel schlimmer wird. (ebd., 122)

Des Weiteren fällt auf, dass im letzten Kapitel anstelle der nur selten auftretenden Redewendungen eine Vielzahl von Zitaten und intertextuellen Bezügen in den Text eingeflochten wird, sowohl aus dem Bereich der Literatur wie auch aus der Musik und Malerei:

(13) […] hatte sich eine chinesische Schülerin neben ihn gesetzt, die Homo Faber von Max Frisch in einem seniorengroßen Druck las. (Kinder 2014, 109)

(14) Im Krankenhaus zitiert der Seelsorger den Psalm: Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn es hochkömmt 80 Jahre und fügt an, dass man sich darauf nicht verlassen könne. (Kinder 2014, 115)

(15) Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ ein zweites Mal hören. (Kinder 2014, 124)

(16) Gebeugt sitzen bleiben über den schweren Kunstbänden und die „Dulle Griet“ von Breughel in allen Einzelheiten und mit der Lupe studieren und Dinge nachschlagen im Netz, sich treiben lassen von den Informationen auf immer neuen Fenstern. (Kinder 2014, 124)

(17) Nicht bei Schuberts „Der Tod und das Mädchen“, sondern bei den „Goldbergvariationen“ des brummenden und stampfenden Glenn Gould geschieht, dass ein Kind heiter mit nackten Füßen durch die Sandgrube tappst, rückwärts auf den di­cken Pamperspo fällt, jauchzt, aufsteht und sich wieder auf den dicken Pamperspo fallen lässt, den ein dickes Sandherz ziert. (Kinder 2014, 133)

(18) Es ist ein Hohn, dass wir sterben müssen, und ein doppelter, dass wir vom Sterben wissen. (Berthold Auerbach) (Kinder 2014, 135)

Fasst man die erwähnten Zitate sowie die bekannten Buch-, Bild- und Musiktitel als Sonderformen von Phraseologismen auf3, so kann man sagen, dass diese gegen Ende der Erzählung eine ganz neue Funktion gewinnen. Sie scheinen anzuzeigen, dass dem Protagonisten im letzten Kapitel eine neue, vorsichtige Hinwendung zur Welt möglich wird, sei es im Betrachten der Welt vor dem Fenster oder in den Computer-Fenstern, sei es als Teilhabe an den Werken der Literatur, Musik und Malerei, die dem Protagonisten helfen, seinen Zustand zu ertragen. Hier entsteht eine erstaunliche, vermutlich unbeabsichtigte, Nähe zu einer historisch früheren Form autobiografischen Erzählens, welche Tarvas (2009, 8) folgendermaßen beschreibt:

Auch wenn wir in den autobiografischen Texten der Moderne ebenso Literarisierung, Stilisierung und auch Versteckspiel mit dem Leser finden, dominiert hier die Wirklichkeitsaussage […]. Die Faktenbezogenheit der selbstreflexiven Texte der Frühen Neuzeit steht unter anderen Vorzeichen als es in der Gegenwart der Fall ist. Sogar die privaten Texte der Zeit, etwa die Liebesgedichte, speisen sich neben den realen Erlebnissen auch aus der Literatur und weisen ein hohes Maß an Intertextualität auf. […] Dem Zeitgeist entsprechend sehen wir in den literarischen und autobiografischen Texten der Zeit neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Person sowie den eigenen Bestrebungen stets auch solche Themen wie das Thema des Todes und der Unsterblichkeit.

Diese innere Bewegung befreit den Protagonisten zumindest teilweise aus der mit der Krankheit verbundenen existenziellen Einsamkeit, auf die das Zitat von Martin Walser verweist, welches Kinder der Erzählung voranstellt: „Es gibt keinen schrecklicheren Unterschied als den zwischen einem Kranken und einem Gesunden.“ Mit der Verwendung eines solchen Zitates oder des o. g. von Berthold Auerbach (1812–1882) trägt Kinder, hier in Form zweier neuer Sentenzen, seinerseits zur phraseologischen Produktivität von Literatur bei.

5 Funktionswandel und (verborgene) ästhetische Funktionen von Phraseologismen in „Der Weg allen Fleisches“

Die vorausgehende Textanalyse unternahm den Versuch, die Verwendung phraseologischer Elemente in Hermann Kinders autobiografischer Krankheitserzählung entlang ihres Handlungsverlaufs zu beschreiben. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass vorgeprägte und idiomatische Sprachelemente hier eine strukturelle Schicht der Literarisierung von Krankheit bilden, indem sie in unterschiedlicher stilistischer Verwendung und ästhetisch-kontextueller Funktion den inneren Krankheitsweg des Protagonisten nachzeichnen und spiegeln, ja sinnlich erfahrbar machen. Kommt ihnen zunächst die Funktion eines im Dienste der Angstabwehr stehenden Ausdrucks der Selbstberuhigung und Selbsttäuschung des Protagonisten zu, so zeigen sie mit zunehmendem Ausbruch der Krankheit den Versuch, diese sprachlich zu kontrollieren, zu objektivieren und zu verwalten. Im Verlauf der Schilderung der Tortur immer neuer Folgeerkrankungen und schmerzhafter Behandlungen gerät ein mittels Ambiguierung als völlig misslingend gekennzeichneter Einsatz idiomatischer Wendungen und eine dem Leid des Patienten mit ärztlichen Routineformeln begegnende Sprache zu mehr als nur einer bitteren, teilweise tragikomischen, Sprachkritik. Das Versagen der empathischen Funktion von Sprache überhaupt wird angesichts des existenziellen Leides des Protagonisten phraseologisch demaskiert. Den Kumulationspunkt der Versehrung des Protagonisten bildet die Amputation seines Vorderfußes. In dem Maße, wie das erfahrene Leid über das Fassungsvermögen des Protagonisten hinauszuwachsen scheint, bemerkt er auch um sich her die Vergänglichkeit „allen Fleisches“. Der Erzähler knüpft dabei sprachlich an kollektive Leidenserfahrungen an, indem er fünfzehn Mal den Liedanfang („Ich hatt einen Kameraden“) eines bekannten deutschen Soldatenliedes zitiert. Imitationen des Klanges einer „symbolischen Sprache“, der Sprache des Volksmärchens, bilden in einem äußerst subtilen Verfahren vermeintlich vertrautes phraseologisches Material in Form von Anklängen an die Märchensprache nach. Der darin aufgehobene bzw. dem Protagonisten zugesprochene Trost und die, vermeintliche, Hoffnung wiederkehrender Sicherheit und Geborgenheit sind dem Leser schon aufgrund des Imitationscharakters der (phraseologischen) Sprache trotz ihres tröstlichen Klanges nicht geheuer. Das folgende Traumkapitel verzichtet aufgrund der besonderen Bedingungen der literarischen Komposition eines Traums, welche die von Freud beschriebenen primärprozesshaften, ‘unfesten’, psychischen Vorgänge der Traumarbeit zu berücksichtigen hat, vollständig auf phraseologisches Material. Stattdessen ist das Traumkapitel als ein, durch Sprache erzeugtes, Bild selbst konzipiert, bestehend aus einer Vielzahl an Bilddetails, der zitierten „Dulle Griet“ des niederländischen Malers Pieter Bruegel (dem Älteren) vergleichbar. Das abschließende Kapitel der Erzählung beschreibt die mühsame, alle verbliebenen Kräfte fordernde Wiedererlangung eines labilen gesundheitlichen Gleichgewichtes des Protagonisten. Die Sprache ist weit weniger von kohäsionsbildenden phraseologischen Mikrostrukturen, den Kollokationen, durchdrungen. Phraseologische Modifikationen bekommen im Vergleich zum ersten Kapitel einen weniger bitter-ironischen als mehr spielerischen, humorvollen Charakter und gehen immer wieder über in intertextuelle Andeutungen und Zitate aus dem Bereich der Literatur, Malerei und Musik. Sie scheinen anzuzeigen, dass dem Protagonisten eine neue, vorsichtige Hinwendung zur Welt möglich wird. Zudem findet das autobiografische Erzählen des Einzelnen damit einen Ort in einem größeren Zusammenhang der menschlichen Auseinandersetzung mit Krankheit und Vergänglichkeit. In einer nicht mehr aufbegehrenden, sondern annehmenden Haltung stellt es sich am Ende der Erzählung in eine kulturgeschichtliche Tradition künstlerischer Gestaltungen des (autobiografischen) Erzählens von Leben, Krankheit und Sterben und knüpft damit an die archaische Aussage des metaphorischen Idioms des Titels an: „Der Weg allen Fleisches“.

Eine letzte Beobachtung zur ästhetischen Funktion und psychologischen Ausdruckskraft der phraseologischen Textschicht soll im Folgenden veranschaulicht werden. Sie betrifft einen besonderen Gegensatz zwischen dem ersten und dem letzten Kapitel der Erzählung. Während das erste Kapitel von phraseologischen Strukturen stark durchdrungen ist, fehlt in ihm jeder Hinweis auf eine Trauerreaktion des Protagonisten. Im dritten Kapitel treten, wie beschrieben, kohäsionsbildende phraseologische Mikroelemente in der Textstruktur kaum noch auf und idiomatische Elemente in einer mehr benignen, spielerischen und in intertextuelle Bezüge übergehenden Form. Dafür finden jedoch Momente großer Traurigkeit und Trauer über die erlittenen unwiederbringlichen gesundheitlichen Verluste ihren Weg in die Sprache:

(19) Als er in einem TV-Film ein Häuschen sieht, das oben auf dem Berg über Homburg steht, zwei Linden zur Seite, ein Häuschen, wie er es sich einst ersehnt hat, weint er; denn hätte er es tatsächlich, käme er nicht mehr hinauf und müsste es verkaufen […]. (Kinder 2014, 128)4

Dieses komplementäre Verhältnis des ersten und letzten Kapitels hinsichtlich des zahlreichen (bzw. seltenen) Vorkommens von Phraseologismen einerseits und dem Fehlen (bzw. expliziten Thematisieren) von Trauer andererseits scheint darauf hinzuweisen, dass im ersten Kapitel bestimmte Affektbereiche, z. B. eine depressive Reaktion auf das Krankheitsgeschehen oder eine Trauerreaktion, mithilfe der phraseologischen Textschicht sprachlich gebunden, gleichsam neutralisiert, wird. Die verdeckte Wirkung dieser Ebene kann als ästhetische Realisierung eines Selbstschutzes des Protagonisten verstanden werden, für welchen die Phraseologismen ein sprachliches Gefäß darstellen. In diesem Sinne könnte ein von phraseologischen Elementen durchdrungenes Schreiben über Krankheit eine Bannung der erschreckenden und anders kaum zu bändigenden Realität abbilden. Im Schlusskapitel der Erzählung kann dieser sprachliche Schutzraum im Sinne einer mühevollen Adaption des Kranken an die Krankheit und ihre Folgen zunehmend aufgegeben oder von seiner ästhetischen Funktion her anders besetzt werden (vgl. Abschnitt 4). Parallel dazu werden Reaktionen von Trauer und Traurigkeit affektiv freigesetzt und können ihre eigene sprachliche Form erhalten. Traurigkeit ist nach Paul Ekmann eine der sieben menschlichen Basisemotionen, die kulturübergreifend und kontextunabhängig in ihrem Ausdruck identifiziert werden können. Konzepte von Traurigkeit im Sinne konzeptueller Metaphern sind, nach Chen (2009), gleichzeitig „die am wenigsten untersuchte Emotion in der kognitiven Metaphernforschung“ (ebd., 414). Chen zeigt in ihrer Studie „Bilder in deutschen und chinesischen Traurigkeits-Phrasemen“, dass die Emotion der Traurigkeit selbst in so fremden Sprachen wie dem Deutschen und dem Chinesischen phraseologisch ähnlichen Ausdruck findet. Dabei sei das Konzept „TRAURIGKEIT SCHADET DEM KÖRPER das essentielle Konzept in deutschen und chinesischen Traurigkeits-Phrasemen“ (Chen 2009, 421). Die Übereinstimmung erklärt Chen aus der basalen Bedeutung dieses Zusammenhanges: „Unabhängig von den kulturellen Besonderheiten reagieren die Menschen in ähnlicher Form auf einen Angriff, auf eine Krankheit oder auf ein (Un)Wohlsein ihres Körpers“ (Chen 2009, 421). Das den beiden so entfernten Sprachen gemeinsame prototypische Traurigkeits-Konzept sei, so Chen, ein „psychosomatisches“ (ebd.). Überträgt man diese Einsicht auf Kinders Text, so kann auch das Verhältnis des ersten zum letzten Kapitel der Erzählung als ein, reziprokes, „psychosomatisches“ verstanden werden: Der den erkrankten Körper noch zusätzlich gefährdende, schwächende, Affekt der Traurigkeit wird sprachlich mithilfe vorgeprägter Sprachstrukturen gebunden bzw. unterbunden. Im Schlusskapitel, in dem die Möglichkeit eines labilen gesundheitlichen Gleichgewichts erkennbar wird, werden phraseologische Elemente als Stilmittel weitgehend aufgegeben, die affektive Reaktion von Traurigkeit und Trauer um die verlorenen Lebensmöglichkeiten und die noch immer drohende Nähe des Todes jedoch freigesetzt. Auf einer vertikalen Ebene scheint der durch die Phraseologismen gebildete Schutzraum im ersten Kapitel einen Subtext zu bilden, der im letzten Kapitel an die Oberfläche des Erzählten tritt. Sieht man dieses komplementäre „psychosomatische“ Verhältnis des ersten und letzten Kapitels im Sinne Chens als eine kollektive, ja biologisch notwendige, Erfahrungsstruktur an, so wird verständlicher, warum die für Kinders Schreibstil ungewöhnliche stilistische Bedeutung phraseologischer Elemente gerade in diesem Text anzutreffen ist. Denn Kinder rührt mit der Darstellung eines individuellen Krankheitsschicksals auch an einen kollektiven menschlichen Erfahrungsbereich. Kollektive Strukturen können vom Menschen jedoch unbewusst antizipiert werden. Die phraseologische Textschicht des ersten Kapitels scheint mir die weitere Komposition der Erzählung in diesem Sinne geradezu zu evozieren. Als gleichsam miteinander korrespondierende Einheiten können Phraseologismen offenbar eine eigene Textschicht bilden, auch eine verdeckte, dem Leser unbewusst bleibende. So scheinen die phraseologischen Strukturen in Hermann Kinders Krankheitserzählung, neben ihren bereits beschriebenen Funktionen für das poetische Anliegen des Textes, als sprachliche Schicht auch eine verdeckte kollektive Erfahrungsstruktur von Krankheit abzubilden, die über die Semantik der einzelnen Phraseologismen hinausgeht und erst in deren Zusammenspiel wirksam wird.

Quellen

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1 Wolfgang Schäuble ist seit einem Attentat im Jahr 1990 querschnittsgelähmt.

2 Die Autoren beziehen sich auf die siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts.

3 „Geflügelte Worte: Darunter versteht man formal Aphorismen, Losungen, Sentenzen, Zitate u. a.“ (Lapinskas 2013, 171)

4 Ich gebe nur eine von verschiedenen entsprechenden Textstellen wieder.