In den ostmitteleuropäischen Ländern sind die nationalsozialistischen und die kommunistischen Diktaturen nach 1989/90 in der Gedächtnispolitik als Varianten ‚totalitärer‘ Herrschaft vielfach gleichgesetzt worden. Während in diesen Staaten die Zusammenarbeit mit den nationalsozialistischen Besatzern im Zweiten Weltkrieg verdeckt oder sogar nachträglich legitimiert worden ist, haben die postsowjetischen und -sozialistischen Regierungen nationalistische Erinnerungsnarrative verbreitet. Dagegen hat die von Wladimir Putin bestimmte russische Gedächtnispolitik den Hitler-Stalin-Pakt und die damit einhergegangene Besetzung ostmitteleuropäischer Staaten als defensive Sicherheitsmaßnahmen gerechtfertigt. Demgegenüber herrscht in West- und Mitteleuropa eine Gedächtnispolitik vor, die der systematischen Ermordung der Juden seit den 1990er Jahren einen herausgehobenen Stellenwert zugewiesen hat. Der Beitrag konturiert diese Spannungen, die verhindern, dass sich in absehbarer Zeit eine gemeinsame europäische Erinnerungskultur herausbilden wird.

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