In der Ukraine wurde die Frustration der Arbeiterklasse angesichts des Verlustes ihrer Lebenswelt und anwachsenden Prekarität nach 1991 immer weniger von linken Parteien und Gewerkschaften aufgefangen. Folglich profitierte stattdessen die extreme Rechte zunehmend von der Unzufriedenheit vieler Menschen mit den Konsequenzen des neoliberalen Kapitalismus. Die in den 90er Jahren gegründeten linken Parteien haben als Sprachrohr der Lohnarbeiter versagt. In den Nuller Jahren verschwanden einige von ihnen, andere verwandelten sich in Verbündete des neoliberalen Mainstreams, wurden marginalisiert oder vom russischen Geheimdienst unterwandert. Die Abwesenheit einer linken Alternative in dem von Oligarchen und korrupten Funktionären gekaperten postsowjetischen Staat führte zu Ressentiments und Ängsten vor einer Deindustrialisierung in den Industrieregionen. Im Frühjahr 2014 nutzte Russland diese Ängste und Ressentiments meisterhaft als Antrieb für den separatistischen Aufstand im Donbas aus. Der Zusammenbruch der Partei der Regionen hinterließ ein politisches Vakuum, das von russischen Nationalisten, ‚Don Kosaken‘ und ihren lokalen Anhängern gefüllt wurde – kleinen, aber sehr aggressiven Akteuren der extremen Rechten, die in ihrem Kampf besonders in Luhansk auch von Mitgliedern der pseudo-linken Parteien unterstützt wurden. Seither hat sich der Abstieg der Industrieregion jedoch stark beschleunigt, die infolge des russischen Angriffskrieges seit Februar 2022 nun wirklich vor der Deindustrialisierung steht.

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